Den ganzen Juni über dauern die Festas de Lisboa, dieses Jahr vom 30. Mai bis zum 4. Juli, und das allein sagt viel aus über die Feierfreude dieser Stadt. Sonderausstellungen, Konzerte in den Parks, kleine Festivals: Lissabon zelebriert Lissabon.

Wo immer man in dieser Zeit um die Ecke biegt, stößt man auf Sardinen, die unter bunten Girlanden auf einem Grill brutzeln und eine kleine Bühne, auf der alles vom Portugiesen-Schlager bis zu Brasil-Beats zum besten gegeben wird. Der Höhepunkt dieser Feierlichkeiten ist der 12. Juni. Am 13. ist der Tag des Santo Antonio, dem Schutzheiligen der Stadt – der höchste Feiertag in Lissabon. Paraden ziehen über die Avenida und Hochzeitspaare werden gratis getraut.

festas4Santo Antonio ist um 1195 in Lissabon geboren und wurde in der ältesten Kathedrale, einer der Wahrzeichen der Stadt, getauft. Santo Antonio ist ein Heiliger nach meinem Geschmack: Der Schutzpatron der Reisenden, der Sozialarbeiter; der, der die Liebenden zusammenführt und der Schutzpatron der verlorenen Dinge. Also der, an den man sich wendet, wenn man seinen Schlüssel verlegt hat. In Bayern wird er Schlampertoni genannt. Santo Antonio zu Ehren also verwandelt sich die ganze Stadt in ein Straßenfest.

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An jeder Ecke werden Sardinen gegrillt und Caipirinhas gemixt, ein Straßenstand reiht sich an den anderen. Die beste Taktik, um eine Sardine auf einem Stück Brot zu essen, habe ich mir abgeschaut: Erst mit den Zähnen die obere Hälfte runterbeißen, dann Kopf und Rückgrat abmachen, die andere Hälfte mitsamt Brot verspeisen. Aus den Fenstern schallt Musik nach draußen. Die Nächte sind heiß, die Stimmung ausgelassen. Im Altstadtviertel Alfama, um die Burg und die Kathedrale, tanzen die Leute auf der Straße, auf Mauern, auf Autos. Zu Elektro auf der einen Kreuzung, zu Salsa an einer anderen, bis in den frühen Morgen hinein. Und die Lebensfreude reißt jeden mit, der sich durch die hügeligen Gassen treiben lässt.

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