Zwischennutzung heißt meist, dass ein Gebäude, bevor ihm der Tod durch Abrissbirne droht, ein Zweitleben auf Zeit geschenkt wird; als Club etwa, als Galerie oder Restaurant. Die Macher vom Clap Club haben das Konzept anders interpretiert, auf eine spannende Weise: Wenn in den Fernsehstudios von Arri gerade nicht gedreht wird, wird der Club eröffnet, mal für fünf, mal für acht Tage. Vier Mal im Jahr soll das so gehen.

Eine schöne Idee, gerade in einer Stadt wie München, wo Räume rar sind. Man stelle sich kurz vor, was sich sonst so alles zwischennutzen ließe: Der Club verwandelt sich tagsüber in eine Kindertagesstätte, der Gemüseladen abends in eine Bar, die Räume der Hausaufgabenbetreuung werden in den Ferien zur Hundepension. Oder so.

clap club

Zurück zum Clap Club. Hier soll alles passieren dürfen, neben Partys finden auch Konzerte oder Charity-Lesungen statt. Eine tolle Geheimlocation sei der Club auch für größere Bands, die mal in einem kleineren Rahmen auftreten wollen, sagen die Veranstalter in der SZ. So klein ist das Filmstudio dann gar nicht; die Treppe hoch, acht Euro Eintritt, an der Garderobe vorbei; eine hohe Halle mit Scheinwerfern an der Decke, eine Bühne, hinten die Bar. Die Bar ist Anlaufstelle Nummer eins, der Clap Club ist gerade in der tückischen Phase zwischen Ende des Konzerts und Anfang der Opening Party.

Es ist erst elf, und um die Leute hier zu halten, ergreift der Clap Club harte Maßnahmen: Happy Hour. Jägermeister ein Euro, Longdrinks fünf Euro. Kennt man eher aus der Läden wie der Nachtgalerie, von sehr viel früher, und eher nicht aus solchen wie diesem, aber wobei, was ist das überhaupt für ein Laden? Die supernette Barfrau stellt die Limetten für den Cuba Libre im Extraglas vor den Gast, sie hat nämlich keine Zange um die Zitrusfrüchte ins Glas zu geben, also erledigt das der Gast mit den Fingern. Limette oder Zitrone, fragt sie beim Gin Tonic, und ich bin kurz versucht, zurückzufragen, welcher Gin es denn sei, will es dann doch nicht so genau wissen. Zitrone.

happy hour

„Überraschungen“ hatte der Clap Club angekündigt, und vielleicht sind damit der Typ im Zirkusdirektor-Outfit und seine goldene Begleitung gemeint, die mit einzelnen Grüppchen irgendein Spiel spielen, bei dem es offenbar Champagner zu gewinnen gibt. Dann steht plötzlich ein beeindruckender Beatboxer auf der Bühne, Yalamassive, dessen Performance nach und nach mit immer mehr Smartphones gefilmt wird. Die ersten verstreuten Leute haben da schon getanzt, die Halle ist groß, noch zu groß, aber Happy Hour sei Dank trauen sich dann die meisten:

Die Männer, deren Haare länger sind als ihr Hipsterbart, wahscheinlich vom Whiskey Foundation Konzert übrig geblieben, das Mädchen mit Mütze und Jogginghose; die Bloggerknoten; der Große, auf dessen Strickweste Kakteen sind und sein Kumpel mit dem Flamingoshirt. Afrob, Ferris, Insane In The Membrane, und das auf abgeklebtem Boden, der unwillkürlich an Partys in der Schulmehrzweckhalle erinnert. Jetzt freut sich jeder über den Quadratmeter mehr, den er zum Austicken zur Verfügung hat, später wird die Musik doch noch raffinierter; irgendwann langt es, wir gehen. Wie das modelgleiche Mädchen, das an der Bar über zweierlei Schultern hing und von vier Freunden im Taxi stabilisiert wird; fiese Happy Hour.

Vielleicht ist der Clap Club noch ein bisschen zu geheim für seine Größe. Vielleicht morgen nicht mehr. Wer weiß das schon so genau, in München.

der boden

+++ Freitag, 18.12. ab 19 Uhr Taiga Trece Album Release, ab 23 Uhr HipHop Diaries, Oldschool HipHop Party +++ Samstag, 19.12. Aloa Input; Close down the Clap Club mit Baal + Dusty +++

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